{"title":"Kometenhafter Blitzstart: The Bones Of What You Believe von CHVRCHES","slug":"chvrches-the-bones-of-what-you-believe-review","url":"https://www.romanjasiek.de/chvrches-the-bones-of-what-you-believe-review/","published_at":"2013-09-20T04:57:00.000Z","updated_at":"2026-09-22T05:10:22.000Z","excerpt":"Sagenhaft. Sensationell. Kometenhaft. Das sind nur wenige Umschreibungen, die einem spontan in den Sinn kommen können, wenn man sich die Blitzkarriere des schottischen Trios CHVRCHES anschaut. Es dauerte keine 12 Monate, bis sie von ihrem plötzlichen Erscheinen auf der Bildfläche zu ein paar der am heißesten gehandelten Newcomer dieses Planeten avancierten. Beinahe aus dem Nichts aufzutauchen und noch innerhalb des ersten Jahres beispielsweise einige Supportshows für Depeche Mode zu spielen, das","meta_description":null,"html":"<p>Sagenhaft. Sensationell. Kometenhaft. Das sind nur wenige Umschreibungen, die einem spontan in den Sinn kommen können, wenn man sich die Blitzkarriere des schottischen Trios <strong>CHVRCHES</strong> anschaut. Es dauerte keine 12 Monate, bis sie von ihrem plötzlichen Erscheinen auf der Bildfläche zu ein paar der am heißesten gehandelten Newcomer dieses Planeten avancierten. Beinahe aus dem Nichts aufzutauchen und noch innerhalb des ersten Jahres beispielsweise einige Supportshows für <strong>Depeche Mode</strong> zu spielen, das ist eine beachtliche Leistung. Kaum ein Debütalbum wurde wohl so sehnsüchtig erwartet wie <strong>The Bones Of What You Believe</strong>. Zumal bisherige Veröffentlichungen der Band mittlerweile teilweise für gehobene, dreistellige Eurobeträge den Besitzer wechseln. Die Frage, die sich jetzt nur noch stellt, ist: Werden <strong>CHVRCHES</strong> den Vorschusslorbeeren (um nicht zu sagen: dem Hype) gerecht? Sollte das am Ende gar heiße Luft gewesen sein? Oder sind sie wirklich das nächste große Ding?</p><p>Ich darf Euch an dieser Stelle schon mal entwarnen: heiß ja, aber heiße Luft ist <strong>The Bones Of What You Believe</strong> ganz sicher nicht. Des Weiteren: So ganz aus dem Nichts kamen die drei Herrschaften hinter <strong>CHVRCHES</strong> dann doch nicht. Sowohl <strong>Lauren Mayberry</strong> (Gesang, Synthies), <strong>Iain Cook </strong>(Synthies, Gitarre, Bass, Gesang) als auch <strong>Martin Doherty</strong> (Synthies, Samples, Gesang) hatten musikalische Vorerfahrungen und vor der Gründung der <strong>CHVRCHES</strong> erste Sporen in anderen Bands gesammelt. Um mich an dieser Stelle nicht zu wiederholen, verweise ich zum Nachlesen des Werdegangs der Band auf die Review zur <strong>EP</strong>. Es ist mehr als bemerkenswert, dass es tatsächlich erst im Mai des letzten Jahres war, als das Trio den Song <strong>Lies</strong> veröffentlichte. Und damit eine wahre Euphoriewelle auslöste, der sich nicht entziehen konnte, wer jemals mit dieser erfrischenden, einzigartigen und eingängigen Electro-Pop-Mucke in Kontakt kam. Man möchte beinahe sagen: Wer <strong>CHVRCHES</strong> einmal hört, bei dem besteht sehr hohe Ansteckungsgefahr bezüglich des <strong>CHVRCHES-Fiebers</strong>! Dass anfänglich weder richtige Videos noch irgendwelche Fotos zu bekommen waren, ließen den Rummel um die Band nur noch weiter steigen.</p><p>Kurze Zeit später, irgendwann im Sommer, veröffentlichte sie <strong>The Mother We Share</strong>, und spätestens damit setzte der Hype um die Band so richtig ein. Musikjournalisten, -blogger und -enthusiasten feierten Chvrches als das nächste große Ding in ihrem Genre, beinahe als eine Art Heilsbringer für eine Musikrichtung, die frischen Wind gut vertragen konnte. Fehlte nur noch, dass sie alle wie auf Kommando beim Begriff <strong>CHVRCHES</strong> Arme hochreißend und Hurra schreiend durch die Botanik wackelten. Eine Platzierung in der ach so renommierten <strong>BBC-Sound-of-2013-Liste</strong> folgte, ebenso wie eine Würdigung in der Pop-Prognose von <strong>Spiegel Online</strong>. Weitere Meilensteine eines ereignisreichen Jahres.</p><p>Aber was ist eigentlich das Geheimnis hinter diesem wahnsinnig schnellen Erfolg, dem großen Hype und der Begeisterung so vieler Hörer? Unter uns: ein Stück weit ist das sicherlich der zuckersüßen Erscheinung <strong>Lauren Mayberrys</strong> geschuldet, die mit ihrem porzellanpuppenhaften Auftreten so manches Herz erwärmt haben dürfte. Nu ist die Frau vor allem aber eine begnadete Sängerin und Songschreiberin, die über eine faszinierende Stimme verfügt, ähnlich fragil wirkend und für sich einnehmend wie der Rest. Weiterhin sind es die abgefahrenen, teilweise sehr vom musikalischen Geist der 80er geschwängerten Electro-Sounds, gepaart mit der unbändigen Energie einer Indie-Rockband. Fette Bässe, analoge Synths, flirrende, irrlichternde Klangspielereien, die das Ohr des Hörers kitzeln, gelegentliche, dem Wave entliehene Gitarren, eingängige Melodien, und Kontraste zwischen süß und bitter, ausgelebt zwischen Inhalt und Musik. Die Assoziation zum Indie-Rock ist übrigens gar nicht so weit hergeholt, sondern tatsächlich Absicht. <strong>Martin Doherty</strong> wird diesbezüglich wie folgt zitiert: »Für mich stellt diese Band eine Indie-Rock-Formation dar. Allerdings haben wir die Gitarren durch Keyboards ersetzt – wir wollten die Songs ganz bewusst rau und spröde gestalten.«</p><p>Neben den bereits bekannten Songs bietet dieses zwölf Songs umfassende Debütalbum noch einige weitere Perlen, die das Abtauchen nicht nur rechtfertigen, sondern geradezu fordern. <strong>Science/Visions</strong> beispielsweise wäre als Instrumentaltrack ein hübscher Soundtrack für eine spannungsgeladene Fernsehserie der 80er Jahre. <strong>Night Sky</strong> hingegen macht, dass die Füße wackeln. Dramatisch, temporeich und fesselnd. Was mehr kann man von einem Song erwarten? Oder Lungs, in dem <strong>Laurens</strong> süßer Gesang und die liebliche Melodie fetten, knarzenden Bässen gegenüberstehen. Ein tolles Beispiel für die erwähnte Melange aus gewollten Gegensätzen bzw. Kontrasten. Dass der Beat dabei entfernt an <strong>The Mother We Share</strong> erinnert, stört nicht. Und dann ist da ja auch noch das bewegende <strong>By The Throat</strong>, bei dem sich die akustischen Emotionen förmlich ins Ohr des Hörers ergießen. Verpackt in ganz viel 80er-Charme und ‑Spielerei. Oder <strong>Tether</strong>, mit seiner kinderchorartigen Bridge und der wavigen Gitarre. Hach! Um eine lange Geschichte kurz zu machen: <strong>The Bones Of What You Believe</strong> bietet 12 charmante, frische, überzeugende, eingängige, tolle, (you name it) Electro-Pop-Songs. So nämlich!</p><p><strong>Glasgow</strong> hat schon so einige besondere Persönlichkeiten hervorgebracht, darunter auch Nobelpreisträger. Die Damen und Herren <strong>Chvrches</strong> reihen sich ein in diese bemerkenswert lange Liste. Zumal: Wenn die Mitglieder der <strong>Simple Minds</strong> in dem entsprechenden Eintrag der <strong>Wikipedia</strong> vertreten sind, dann haben <strong>CHVRCHES</strong> ihren Platz dort erst recht verdient. Alleine für das sensationellste Electro-Pop-Album dieses Jahres. Falls das bis hierhin noch nicht deutlich geworden sein sollte: <strong>CHVRCHES</strong> SIND das nächste große Ding!</p><p>Wer sich bereits den schlicht <strong>EP</strong> betitelten Silberling via <strong>Japan-Import</strong> ins Regal gestellt hat, für den ist <strong>The Bones Of What You Believe</strong> mitunter nicht mehr soooooo überraschend. Oder mag es daran liegen, dass die vermeintlichen Knaller dieses Albums bereits im Vorfeld, sozialer Netzwerke sei Dank, bis zur nahenden Reizüberflutung serviert wurden? Richtig, dafür können die <strong>CHVRCHES</strong> nüscht. Noch im Fazit zur <strong>EP</strong> schrieb ich, die Vorzeichen stünden gut für die <strong>Schotten</strong>, die Messlatte für Elektro-Pop in diesem Jahr zu legen. Und genau das ist passiert. Frisch und unverbraucht präsentiert das Trio hier ein Album, das alle anderen&nbsp;– zumindest in diesem Jahr&nbsp;– ganz bequem in die Tasche steckt. Und auch wenn die <strong>CHVRCHES</strong> wirklich einen kometenhaften Blitzstart hingelegt haben, so glaube ich doch: Es geht erst los. Hier geht noch einiges. Und <strong>The Bones Of What You Believe </strong>ist ein Pflichtkauf!</p><figure class=\"kg-card kg-image-card kg-card-hascaption\"><img src=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/09/Chvrches-The-Bones-of-What-You-Believe.webp\" class=\"kg-image\" alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"2000\" height=\"2000\" srcset=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w600/2026/09/Chvrches-The-Bones-of-What-You-Believe.webp 600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1000/2026/09/Chvrches-The-Bones-of-What-You-Believe.webp 1000w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1600/2026/09/Chvrches-The-Bones-of-What-You-Believe.webp 1600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w2400/2026/09/Chvrches-The-Bones-of-What-You-Believe.webp 2400w\" sizes=\"(min-width: 720px) 720px\"><figcaption><span style=\"white-space: pre-wrap;\">© Universal Music</span></figcaption></figure>","tags":["Musik"],"authors":["Roman Jasiek"],"feature_image":"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/09/chvrches.jpg","archived_at":"2026-09-22T05:10:22.358Z"}